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Pressedienst Bistum Münster

01.12.01

Ursprung in Intoleranz - Gegenwart im Zeichen des Verstehens

Barocke Perle des Münsterlandes: Vor 350 Jahre erste Messe in Zwillbrock

Vreden (pbm). In Zeiten religiöser Intoleranz ist sie entstanden. Ein Magnet für Kunst- und Kulturinteressierte ist sie seit langem. Eine Botschaft in der Zeit nach dem Terrorakt des 11. September hält sie ebenfalls bereit: die "barocke Perle des Münsterlandes", die Pfarrkirche St. Franziskus in Vreden-Zwillbrock. In der Heiligen Nacht, am 24. Dezember (23 Uhr), gedenken die Zwillbrocker gemeinsam mit Weihbischof Werner Thissen in der Christmette ihres Ursprungs: Vor 350 Jahren wurde dort die erste Messe gefeiert.

An Zwillbrock lassen sich sehr gut die Folgen des 30jährigen Krieges bis in die Gegenwart verdeutlichen: Nach Ende dieses Krieges führte ausgerechnet der katholische Fürstbischof der Friedensstadt Münster, Christoph Bernhard von Galen (1650 - 78), einen für ihn wenig "erfolgreichen" Krieg gegen die benachbarten protestantischen Niederlande. Um die "Herrschaft Borkelo" auf holländischem Gebiet, die damals noch und bis 1821 zum Bistum Münster ge-hörte, dennoch seelsorglich begleiten zu können, ließ Christoph Bernhard die Seelsorgestation errichten.

Es war eine Zeit des religiösen Fanatismus und der Intoleranz. Die calvinistische Obrigkeit in den Niederlanden untersagte den Katholiken in Holland die Religionsausübung - und der katholische Fürstbischof jenseits der Grenze war im Umgang mit den Protestanten nicht besser. Christoph Bernhard von Galen ließ gar Missionsstationen entlang der Grenze errichten. Im Jahr 1651 feierten Franziskaner-Minoriten auf freiem Feld bei Vreden die Christmette mit Katholiken aus Holland.

Die bescheidene Seelsorgestation aus der Zeit der Gegenreformation entfaltete sich: Zu Ostern 1665 betrug die Zahl der Gläubigen und Kommunikanten von jenseits der Grenze fast 2.400 Menschen. 1670 wurde schließlich ein eigener Konvent errichtet. Das Kloster erhielt in Erinnerung an die erste Messe 1651 den Namen "Closter Bethlehem an't Schwillbrock". 1748 schließlich wurde der jetzige Kirchbau St. Franziskus feierlich eingeweiht. Seit 1858 ist Zwillbrock selbständige Pfarrei.

Beeindruckend in barocker Pracht gestaltet ist das Innere der Kirche. Der Hochaltar zeigt im oberen Gemälde die Verkündigung des Engels an Maria: "Du sollst ein Kind bekommen." Darunter gibt das Hauptbild die Verwirklichung wieder: In der Weihnachtszeit ist die Geburt Christi zu sehen; in der übrigen Zeit das Ende des irdischen Lebens Jesu auf Golgatha. Das Thema des Kreuzestodes nimmt der Tabernakel auf. An den Seiten des großen Gemäldes ste-hen Heilige des Franziskanerordens: Franziskus und Bonaventura. Die Seitenaltäre zeigen Maria sowie Antonius von Padua.

Zwillbrock, das ist alles andere als eine kurzweilige "touristische Attraktion". Als geistliches Zentrum lädt es ein zu Besinnung für dort tagende Gruppen; das nahe Naturschutzgebiet er-möglicht die Verbindung von Ruhe und Erholung mit einem Zugang zur Schöpfung. Und so treffen sich dort Kultur, Kult und Natur. Über Jahre hinweg war die wunderschöne Kirche Anlaufpunkt für niederländische Katholiken und ist heute sicher ein Ort, an dem der Wandel im Verhältnis von Niederländern und Deutschen zu sehen ist. Aus der einstigen feindlichen Haltung ist mittlerweile ein gut nachbarschaftliches Miteinander geworden - und das schließt die Ökumene der Konfessionen mit ein. So ist Zwillbrock heute ein Ort der Toleranz.

 

Mehr über die Tätigkeit der Minoriten und der Geschichte des Klosters Zwillbrock unter "Geschichte"

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