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10. Oktober 2004
Ankunft der Lichtstafette Utrecht-Münster

Der Auftakt des
Bistumsjubiläums 2005 wurde in Zwillbrock gefeiert:
Am 10. Oktober erreichte die Lichtstafette, die von Ostern 2004
bis Ostern 2005 von Utrecht nach Münster zieht, die deutsch-niederländische
Grenze. Etwa 2000 deutsche und niederländische Christen waren gekommen,
um die Ankunft des Lichtes und des Leuchters zu feiern.
Nach einem feierlichen Pontifikalamt
mit Kardinal Adrianus Simonis in der Groenloer Calixtus-Kirche trugen
Pfadfinder das Licht von dort zum Grenzübergang nach Zwillbrock, begleitet
von vielen Gläubigen aus den Niederlanden. An der Grenze wurden sie von
den Bürgermeistern Huub Doek aus Groenlo und Hermann Pennekamp aus Vreden,
sowie dem Weihbischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst empfangen. In einer langen
Prozession mit zahlreichen Bannerabordnungen, Pfadfinder- und Meßdienergemeinschaften
wurde das Licht zum Festplatz vor der Kirche getragen, wo anschließend
ein Vespergottesdienst gefeiert wurde. Der Gottesdienst wurde von dem Chor der
Calixtus-Gemeinde, den Kirchenchören der Vredener Pfarreiengemeinschaft
und der Gemeinde St. Marien in Ahaus-Alstätte und dem Musikzug der Freiwilligen
Feuerwehr Vreden gestaltet.
Begrüßung der niederländischen Gläubigen
durch Weihbischof Tebartz-van Elst
Predigt des Weihbischofs im Vespergottesdienst
Weitere
Infromationen
Vortrag
von Dr. Heinz-Georg Surmund am 23. September 2004 in Zwillbrock
www.bistumsjubilaeum2005.de
www.liudgerkring.nl
Liebe Schwestern und Brüder
im österlichen Glauben und über Grenzen verbunden.
Vor einen halben Jahr hatte ich die große Freude und Ehre, in
Utrecht Zuilen, das österliche Licht auf dem Ludgerusleuchter zu entzünden.
Inzwischen ist es in zwanzig Gemeinden aufgenommen und von dort weitergegeben
worden. Zwanzig weitere Gemeinden werden auf deutscher Seite bis zum kommenden
Osterfest dieses Licht aufnehmen und weitergeben.
Dieses Licht leuchtet uns die Spuren des Missionars Ludgerus neu aus und wir
entdecken durch diese Stafette neu, dass uns der österliche Glaube auf den Weg
in diese Welt hinein bringen will, so wie Licht überall hin vordringt.
Missionarisch Kirche sein, das bedeutet in Bewegung kommen
und Grenzen überschreiten.
Wenn heute dieses Licht auf dem Ludgerusleuchter über die Landesgrenze kommt,
wird für Niederländer wie für Deutsche gleichermaßen anschaulich, welche Geschichte
uns prägt, welcher Glaube uns verbindet und im Interesse einer gemeinsamen Zukunft
verpflichtet.
Denn das Licht von Ostern kennt keine Grenzen.
Es gehört zum Wesen des Lichtes, das es sich verbreitet. Wo es in die Herzen
vordringt, da bewirkt es, dass sich die Hände füreinander öffnen.
In diesem Sinne begrüße ich Sie alle herzlich hier an der Grenze und freue mich,
dass Sie alle durch Ihr Kommen zeigen, welche Öffnung Gottes Geist zwischen
Menschen und Völkern immer wieder neu zu wirken vermag.
Liebe Gäste dieser Feier des Glaubens
Liebe Christen aus dem benachbarten niederländischen Grenzgebiet
Schwestern und Brüder im österlichen Glauben
Dass das Licht aus dem Westen kommt, ist ungewöhnlich.
Denn im Osten geht die Sonne auf. Von dort kommen die ersten Strah-len, die es immer wieder neu Tag werden lassen.
Was für die Physik der Schöpfung gilt, hat auch die Philosophie unseres Denkens geprägt.
"Ex oriente lux!" - so lautet auch der Ruf, der unsere Kultur- und Glaubensgeschichte spiegelt.
Wo zuerst das Licht ist, ist auch eher Leben, Bewegung und Entwick-lung.
Die Wiege der Menschheit steht im Morgenland. Mit dem wandernden Licht der Sonnenstrahlen
haben sich auch Entde-ckungen und Erfahrungen des Lebens verbreitet, die unseren
Lebensraum erreicht und erhellt haben.
Auch der Aufschein des österlichen Glaubens kommt für uns Christen aus dem Ori-ent.
Dort hat Jesus gelebt; dort ist er gestorben und auferstanden. Von dort hat
sich diese Botschaft bis ins Abendland ausgebreitet und hier ein Denken erhellt,
aus dem die Kultur und Kunst Europas erwachsen ist.
Dass vor allem viele ältere Kirchen auf unserem Kontinent zum Osten hin ausgerichtet
sind, bringt in Erinnerung: Nur wo der Blick auf Christus als die Morgensonne
des Heils gerichtet bleibt, hat das Leben auch in herbstlicher und winterlicher
Zeit eine innere Helligkeit und Kraft. So, wie Solarplatten auf immer mehr Dächern
Licht als Energie speichern, ist es auch mit unserer Ausrichtung auf die geistigen
und geistlichen Quellen unserer Kultur. Wo das öffentliche Leben gegen die Strahlen
dieser Sonne abgedunkelt wird, wird mit der Zeit immer weniger Energie zum Leben
gespeichert.
"Ex oriente lux?" ist diese physikalische Gegebenheit noch eine tiefere Blickrichtung, die Menschen ‚Orient'-ierung geben kann? Was ist, wenn diese Perspektive (in Politik und Gesellschaft) immer schwächer wird?
Kommt das Licht nur aus dem Osten?
Heute Nachmittag ist es anders.
Das Licht, das uns hier zusammenführt, erreicht uns aus einer Richtung, wo die
Sonne bereits untergeht. Diese Herbsttage mit der früher einsetzenden Dunkelheit
machen uns umso aufmerksamer für die Gegenläufigkeit der Bewegung, die die Lichtstafette
von Utrecht nach Münster auch in einem tieferen Sinne darstellt.
So, wie das Licht von der Osterkerze am Ostermontag mit dem Ludgerusleuchter im Stadtteil Zuilen bei Utrecht auf den Weg gebracht wurde, gehen wir als Christen in einer Gesellschaft, die unsere Schritte des Glaubens nicht gerade säumt. Zuilen, der Geburtsort des Hl. Liudger, ist beides zugleich säkularisiert und multikulturell. Unsere Prozession mit dem Licht unseres Glaubens war für alle, die mitgehen konnten, eine bewegende und sprechende Erfahrung. In Zuilen wurde anschaulich: Die, die das Licht hüten und begleiten, sind heute eine Minderheit in einer anders lebenden Umgebung. Die, die das Licht weitergeben, indem sie es annehmen und zu einem weiteren Ort tragen, erleben aber, dass sie selbst Orientierung finden, indem sie sich einspannen lassen. Erst das Licht, das uns in die Hände gegeben wird, damit wir es weiterreichen, leuchtet uns persönlich den nächsten Schritt aus.
Die Lichtstafette von Utrecht nach Münster hat in diesem Sinne Menschen auf den Weg gebracht, von Gemeinde zu Gemeinde (bereits 20 mal) und heute von Land zu Land, von Volk zu Volk. Wer das Licht von Ostern annimmt, kommt in eine Bewegung, die äußere und innere Grenzen überschreitet. So wie Licht in seiner Ausbreitung nirgendwo Halt macht und nichts schneller ist als Lichtgeschwindigkeit, so ist es auch mit der Wirkung von Ostern. Die Gewissheit, dass Jesus Christus als der Auferstandene das wahre Licht der Welt ist, tragen alle in sich, die mit diesem Licht einmal spürbar in Berührung gekommen sind, die seinen hellen Kontrast zu mancher Dunkelheit des Lebens sehen und ersehnen; die es in den Händen gehalten und seine Wärme gespürt haben.
Wo die High-Light-Gesellschaft Menschen blendet und es für die,
die im Dunkel sind oft nur noch finsterer wird, ist das kleine Licht auf unserem
Ludgerusleuchter ein umso wohltuender Kontrast. Denn nicht das gleißende Licht
von Spots und Strahlern vermittelt Geborgenheit und Gewissheit, sondern nur
diese kleine Flamme, der nicht einmal der Wind am Ostermontag bei unserer Prozession
in Zuilen etwas anhaben konnte. So, wie der Theologe Karl Rahner es einmal ausgedrückt
hat, hat die Stafette mit dem österlichen Licht auf dem Ludgerusleuchter bisher
viele Menschen angesprochen.
Er sagt:
"Das Licht ist da und leuchtet.
Es ist da.
Es ist nur klein,
weil du noch weit zu gehen hast.
Es ist fern,
weil deiner Großmut eine unendliche Reise zugemutet wird.
Aber das Licht ist da."
Liebe Schwestern und Brüder,
Wir sehen dieses Licht, das schon eine weite Reise hinter
sich hat und noch viele Schritte vor sich. Es zieht uns an in seiner Bescheidenheit,
die zugleich seine Bedeutsamkeit ausmacht. Denn es ist ein Licht, das schon
viele in ihren Händen gehalten und gehütet haben. Es ist ein so sprechendes
Symbol, weil die Kilometer von Utrecht bis Zwillbrock und weiter nach Münster
für den Weg durch die Zeiten stehen, die das Licht von Ostern in der Strahlkraft
des Hl. Ludgerus durch 1200 Jahre Glaubens- und Kirchengeschichte gegangen ist.
Das Licht, das heute hier von Westen kommt, beleuchtet diese
Jahrzehnte und Jahrhunderte als Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. So
unaufdringlich, wie diese bescheidene Flamme auf der Kerze ist Gottes Zuwendung
zu uns Menschen durch alle Zeiten. So tragfähig, wie der Schaft dieses Ludgerusleuchters
aus 1200 Jahre alter Mooreiche gefertigt ist und so angegriffen er inzwischen
von den vielen Händen erscheint, die ihn ergriffen haben, so geprüft und erprobt
sind diese Jahrhunderte im Licht dieser Kerze bewährte Glaubensüberlieferung.
Ganz so, wie der polnische Philosoph Jeroslav Pelikan es im Blick auf die Christen
sagt:
"Ihre Tradition ist nicht der tote Glaube von Lebenden; sie erweist sich
vielmehr als der lebendige Glaube auch von Toten."
Im Licht von Ostern bekommen unsere gemeinsame Geschichte und
unsere persönlichen Biographien ihre profilierten Spuren. So, wie eine Lampe
in einen dunklen Raum gehalten, Verborgenes erhellt, ist es auch mit den Höhen
und Tiefen unserer Glaubens- und Kirchengeschichte. Alles wird von Gott beschienen,
damit wir in allem Gott zu trauen lernen. Die zweite Lesung aus dem Epheserbrief
führt uns das ganze österliche Spektrum des Glaubens vor Augen:
"Einst wart ihr Finsternis. Jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht
geworden. Darum lebt als Kinder des Lichts! Denn das Licht bringt lauter Güte,
Gerechtig-keit und Wahrheit hervor." (Eph 5,8-9)
Menschen, die glauben, können den Schatten in sich und um sich
als Wahrheit des Lebens in Güte annehmen, weil sie die Gewissheit des österlichen
Lichtes in sich tragen.
Völker, die in Europa die Wahrheit ihrer Geschichte annehmen und aussprechen,
haben eine gemeinsame Zukunft, wo sie die Quelle ihres Lichtes bewahren und
sich ihren gemeinsamen Ursprung nicht vernebeln lassen.
Unsere Kirche findet einen neuen Aufbruch zum Zeugnis des Glaubens in dieser Welt, wo sie sich mit dem anvertrauten Licht und denen, die es in sich tragen so auf den Weg begibt, wie diese Lichtstafette es vor Augen führt: von Mensch zu Mensch; von Ort zu Ort; von Land zu Land; - über scheinbare Grenzen hinweg.
Dieses bescheidene Licht von wenigen gehütet und getragen versinnbildlicht
manches von dem, worauf wir als Kirche in einer sich verändernden Gesellschaft
zugehen.
Äußere Minderheit um eine bezeugte Gewissheit kann viel in einer Welt bewegen,
die die Frage nach dem Mehrwert des Lebens ganz neu aufwirft. Hier liegt die
missionarische Glut unserer Kirchengeschichte, aus der das Licht auf dem Ludgerusleuchter
gewonnen ist.
Als Christen muss uns dabei nicht bange oder gar schwarz vor Augen werden. Denn wir sind mit einem Licht unterwegs, das seit Ostern da ist und dass sich vermehrt, indem es sich verzehrt. Scheinbare Veränderungen in der Kirchengeschichte sind so beleuchtet vom unveränderlichen Licht des Glaubens, wie die Kirchenväter es in einem Bild beschreiben:
"Wie der Mond in der Nacht das Licht von der Sonne des
Tages aufnimmt und in die Nacht hineinstrahlt, so soll die Kirche das Licht
Christi in der Nacht der Welt aufnehmen und widerspiegeln. Der Mond aber - so
sagen sie - kann dies nur leuchtkräftig tun, wenn er im Rhythmus der Zeiten
immer wieder abnimmt (und stirbt), vom Vollmond in die Finsternis eintaucht,
um strahlkräftig zu werden.
So nimmt auch die Kirche in ihrer jeweiligen geschichtlichen Gestalt im Laufe
der Zeiten ab, um neu das Licht Christi ausstrahlen zu können."
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Licht, das uns hier von Westen erreicht, ist kein anderes
als das, was im Osten aufgegangen ist, was Ostern aufgestrahlt ist.
Was den Empfang dieses Lichtes heute - an der Grenze zweier Länder - so kostbar
macht, ist das sprechende Zeichen der Stafette. Wir begreifen neu, wie das Licht
von Ostern durch die Geschichte gegangen ist. Es verbindet große Entfernungen
in Zeit und Raum. Es macht uns dankbar bewusst, wie wir selbst eingebunden sind
in den Faden der Hoffnung, den jede Generation neu aufnehmen und weitergeben
muss.
Für diese Herausforderung, die die Kirche in ihren einzelnen
Gliedern immer wieder neu anzunehmen hat, steht der Hl. Ludgerus. Eine lebendige
Geschichte von 1200 Jahren lässt uns ihn heute neu in seiner Glut für die Sache
Jesu entdecken. eine Gestalt des Aufbruchs. Er ist ein Christ auf dem Weg. Und
er ist ein Hirt des Volkes, der Menschen auf die verheißene Ankunft bei Gott
verweist. In dieser dreifachen Ausrichtung ist er - wie wir heute sagen - eine
"burning person".
Ludgerus verkörpert in seinem Lebenszeugnis, wofür das Licht auf diesem Leuchter
steht, und er erinnert uns in einer Zeit des gesellschaftlichen und kirchlichen
Umbruchs, was die Mission mit dem Evangelium innerlich und äußerlich ausmacht:
"Das Licht auf den Leuchter stellen!" (vgl. Mt
5,15)
Mit der Überreichung des österlichen Lichtes an der Grenze von Eibergen und Vreden-Zwillbrock stehen wir buchstäblich an der Schwelle zum 1200-jährigen Jubiläum unseres Bistums Münster. Was dieser Auftakt versinnbildlicht, möge auch die Wirkung des vor uns liegenden Jahres sein; so wie es in der Strophe eines alten Ludgerusliedes heißt:
"Brachtest uns des Glaubens Stern
unser Licht und Trost im Herrn, Sankt Ludgerus!
Reich' uns deine Gnadenhand
segne beider Volk und Land, Sankt Ludgerus!